"Aufmarsch auch in 1000 Jahren"
Der Jugend gehört die Zukunft. Aber haben 10.Oktober Feiern überhaupt noch eine solche? Ein Streitgespräch. - Geführt von der Kleinen Zeitung. Unter anderem mit Club-Kärnten Mitglied Lukas Helmut Moser.
Kleine Zeitung: Schon Pläne für den 10.Oktober?
Lukas Moser: Natürlich! Ich werdem mit dem Club-Kärnten marschieren (Jugendorganisation der FPK, Anm.). Wir haben eine riesengroße Kärnten Fahne. 35,40 Leute werden wir sicher sein in unseren Lederhosen und im Kärntneranzug.
Kleine Zeitung: Die "Club"-Uniform?
MOSER: Neinm wir sind heimatverbunden. Wenn Peter Kaiser sagt, er trägt das nicht, ist das seine Sache. Ich trage meinen "Kärntner" auch in der Eishalle.
Kleine Zeitung: Und ihr?
Alina Logar: Wir sind gemeinsam bei einer alternativen 10.Oktoberfeier im Casineum. Da geht es um den Heimatbegriff und das Gemeinsame wird betont.
Agnes Körbler: Wobei ich erstmals dabei bin - ich bin ja Steirerin.
Kleine Zeitung: Also bist du nur aus schulischer Verpflichtung dabei?
KÖRBLER: Also Emotion ist da keine dahinter. Ich bin ja nicht damit aufgewachsen.
MOSER: Für mich hat das was mit Stolz zu tun. Die Kärntner und die Windischen haben sich für Österreich entschieden und nicht für den SHS-Staat. Und würde ich nicht marschieren, täte ich in der ersten Reihe beim Umzug stehen.
LOGAR: Ich war da schon Jahre nicht mehr dabei. Meiner Meinung nach geht es bei den Feiern nicht um die demokratische Entscheidung. Für mich schaut das immer nach einem Sieg der Deutschen über die Slowenen aus. Ich kenne auch einen Fall, wo eine Schule von einer Feier ausgeladen wurde, weil sie ihren Teil zweisprachig gestalten wollten.
MOSER: Ich hätte kein Problem mit einem slowenischen Beitrag oder einem windischen Volkslied. An dem Tag gehört sich das als Zeichen des Miteinanders. Denn die Kultur der Windischen muss gewahrt werden.
LOGAR: Windisch ist für mich kein positiver Begriff. Der Begriff ist von den Nazis negativ punziert. Wir sind Kärntner Slowenen und das ist eine Sprache. Und das Kärntner Slowenisch ist unsere Kultur. Ich würde aber in Slowenien nie sagen: hier bin ich daheim. Nur kann ich genauso wenig sagen: Ich will im Club-Kärnten Mitglied werden.
KÖRBLER: Für mich ist dieser Graben nicht verständlich.
MOSER: Wir haben einzelne Kärntner Slowenen im Club, zumindest deren Wurzeln sind Slowenisch. Die stehen zu ihrer Vergangenheit, sagen aber: Ich lebe jetzt in Kärnten.
LOGAR: Willst du sagen, jeder der in Kärnten lebt darf nur Deutsch sprechen?
MOSER: Sicher nicht, hätte ich ein Sprachtalent könnte ich mir vorstellen, Slowenisch zu leren. Man muss sich doch nur die ganzen zweisprachigen Schulen anschauen.
Kleine Zeitung: Das ist doch bitte kein Gnadenakt, Schulen werden mit Steuergeld bezahlt und auch Kärntner Slowenen zahlen Steuern!
LOGAR: Und in der slowenischen Musikschule werden die Plätze weit weniger gefördert, als jene in der deutschsprachigen Schule.
MOSER: Das sind Einzelfälle. Mir geht es um das Zündelthema Ortstafeln.
LOGAR: Gerade da wurden Versprechen nicht gehalten.
MOSER: Dann sollen die Wiener einmal mit einer Idee kommen, über die wir verhandeln können.
Kleine Zeitung: Kurze Zwischenfrage: Fühlt ihr euch wegen des 10.Oktobers verpflichtet das Gespräch auf die Ortstafel zu lenken, oder ist es euch ein ehrliches Anliegen?
MOSER: Keiner will mehr diskutieren, auch mir steht es bis da oben. Ich will eine Lösung, damit das Thema auf die Seite geschoben wird. Aber es darf über die Kärntner nicht drübergefahren werden - die Kärntner Mehrheitsbevölkerung und die Regierung müssen gefragt werden!
LOGAR: Die Mehrheit soll über die Minderheit entscheiden?
MOSER: Bei einer Minderheitenfeststellung wäre klar, wo eine Ortstafel aufgestellt werden muss.
LOGAR: Und der slowenische Name steht winzig am Rande.
Kleine Zeitung: Reden wir über wirkliche Probleme. Was würdet ihr bis 2020 gerne geändert sehen in Kärnten?
LOGAR: Das Bewusstsein für Sprache muss steigen. Italienisch ist an jeder Schule trendy...
KÖRBLER:...aber wenn man auf der Straße Slowenisch spricht, wird einem nachgeschaut.
MOSER: Ich wünsche mir, dass die Ortstafelfrage gelöst ist. Und der Umgang der Medien muss sich ändern. Vieles wird schlechtgemacht, was gar nicht schlecht ist.
Kleine Zeitung: Arbeitsplätze, nachhaltige Energiepolitik - sind nicht diese Themen wichtiger?
LOGAR: Stimmt schon. Aber in zehn Jahren bin ich nicht mehr in Kärnten, oder noch nicht wieder. Denn - und das trifft fast auf alle meine Freunde zu - wir alle freuen uns darauf einmal aus der Kärntner Enge wegzukommen.
KÖRBLER: Ich verstehe, was du meinst. Überall anders wird man als Slowenischsprechender besser behandelt als in Kärnten - man erfährt das täglich im Bus, auf der Straße, überall.
MOSER: Ich möchte nicht weg. Viele Schulkollegen waren gerade auf Auslandssemestern. Irland, Florida, London - das interessiert mich nicht, mir gefällt es hier, die Leute, die Mentalität.
LOGAR: Was mir auffällt: Du hast die Politiker-Rhetorik. Du versuchst, deine Meinung jedem aufzudrängen. Kooperationsbereitschaft gibt es bei dir und deiner Partei nicht. Ältere Kärntner Slowenen haben vielleicht noch Lust zu kämpfen. Ich bin dessen schon überdrüssig. Und wenn wir schon über Kärnten im Jahr 2020 sprechen, dann bitte über einen Ausbau der Bildung, den wir bis dahin schaffen müssen.
MOSER:Und die Österreicher müssten mehr Kinder bekommen. Mit ausländischen Arbeitern will ich unser Pensionssystem nicht finanzieren. Und was ich gerne geändert hätte an meinem geliebten Österreich: das ständige Bekriteln. Macht ein Fußballer einen Fehlpass, wird er ausgebuht. In England stehen die Fans und feuern das Team an.
Kleine Zeitung: Wird beim 100-jährigen Jubiläum noch gefeiert werden?
MOSER: Selbstverständlich. Der 10.Oktober sollte auch in 1000 Jahren noch gefeiert werden. Mir gefällt auch das Marschieren, bei mir hängen an diesem Tag die Fahnen aus dem Fenster, beim Urlaub in Lignano lauf ich mit einem Österreich-Leiberl herum. So etwas gehört sich - finde ich.
KÖRBLER: Im Vorjahr hat Christina Stürmer eine Pop-Version der Bundeshymne aufgenommen, für mich ist das der falsche Weg. Da werden Jugendliche gelockt aber mit dem eigentlichen Thema setzen sie sich erst nicht auseinander. In Kärnten müssten sich erst eimal beide Volksgruppen ohne Probleme verstehen, dann kann man feiern, wobei das ewige Zurückschauen nichts bringt. Die Vergangenheit kann man im Geschichtsunterricht lernen, dazu braucht es keinen Aufmarsch.
Dieses Interview wurde am Sonntag, den 3.Oktober in der Kleinen Zeitung veröffentlicht.
















